AUSFLUGSZIELE

STAND: JANUAR 2022


ETTALER WEIDMOOS


25. MAI 2018

Die Gegend um Ettal und Oberammergau gehört zu den schönsten Gegenden Bayerns, besonders im Frühling, wenn die Wiesen vor Farben fast ex­plo­dieren. Es ist keine hochalpine, sondern eine weite, offene Landschaft, die beruhigend auf das Gemüt wirkt. Wandern ist hauptsächlich ein Erleb­nis fürs Auge. Das Erleben von Natur mehr als schweiß­trei­bende Aufstiege sind auch die Moti­va­tion für mei­nen heutigen Ausflug.

Wenn man in diese Gegend kommt, sollte man sich einen Besuch der Benediktinerabtei Ettal nicht entgehen lassen. Das 1330 gegründete Kloster ist nicht nur wegen seiner beeindruckenden Bauten, sondern auch wegen seines wunderschönen Klos­tergartens sehenswert. Man sollte es an Som­mer­wo­chenenden allerdings tun­lichst meiden, es sei denn, man sieht in der Gesellschaft von ganzen Busladungen von Touristen die eigene Erfüllung.

Kloster Ettal

Der Zufall wollte es, dass derzeit – vom 3. Mai bis zum 4. No­vember 2018 – im Kloster Ettal die Lan­des­aus­stel­lung zum 100. Jubiläum des Freistaats zu sehen ist, deren Motto „Wald, Gebirg und Kö­nigs­traum – Mythos Bayern“ ist. Das kann ich mir na­tür­lich nicht entgehen lassen. Im Mittelpunkt steht ein 13 Meter hoher Holz­pa­villon im Au­ßen­be­reich des Klosters.

In diesem werden in Form einer Mul­ti­me­dia-Show die Schlöss­erwelten gezeigt, die der König ge­baut hatte und noch bauen wollte.

Multimedia-Show (König-Ludwig-Pavillon)

Freilich ist das Kloster nicht nur ein Ort des Glau­bens, sondern auch ein wirtschaftliches Unter­neh­men. Zum Kloster gehören landwirtschaftliche Be­triebe, mehrere Gasthöfe, ein Hotel sowie ein Gym­na­sium mit ange­schlos­se­nem In­ter­nat. Darü­ber hinaus ein Kunstverlag, eine Destillerie und eine Brauerei. Mehr erfährt man auf der sehr in­for­ma­tiven Webseite der Abtei.

Keinesfalls sollte man sich einen Besuch des Klos­ter­ladens mit seinem reichhaltigen Angebot an sakralen Kunstgegenständen und Ge­schenk­ar­ti­keln, Büchern und Spirituosen entgehen lassen.

Kloster-Liqueur

Mein eigentliches Ziel ist das Ettaler Weidmoos im Graswangtal, ein Naturschutzgebiet, das zu allen Jah­res­zei­ten ein besonders landschaftliches Juwel ist.

Als ich die Bundesstraße 23 entlang in Richtung Oberammergau  fahre, erlebe ich ein Schauspiel aus Licht und Farben, das mich in eine rausch­ähn­li­che Begeisterung versetzt. Der östliche Teil des Hauptkamms der Am­mer­gauer Alpen mit dem auffälligen Wahrzeichen Ober­ammergaus, dem Kofel, steht als dunkle Silhouette vor dramatisch wirkenden dunklen Gewitterwolken. Davor ein Blumenteppich in den Far­ben Gelb und Pinkrot so weit das Auge reicht.

Vorderer Rappenkof und Kofel

Ich benutze ungern diese Metapher, denn sie klingt ein wenig abgegriffen, aber es ist tatsächlich ein im­pres­sionistisches Gemälde, das ich vor Augen habe. Meine Palette ist der Fotoapparat!

Im Graswangtal

Das Pinkfarbene kommt von den zahlreichen Ku­ckuckslichtnelken, hüfthohe Blumen mit wun­der­schö­nen Blüten, die ein bisschen zerfranst aus­se­hen; das Gelb stammt vom Acker-Hahnenfuß; li­la­far­bene Wiesen-Storchschnäbel, unzählige an­de­re Blumen sowie die unterschiedlichsten Gräser prä­gen das Gesamtbild.

Kuckucks-Lichtnelken (Silene flos-cuculi)

Es ist eine Symphonie von Farben, wie man sie heutzutage nur noch selten erlebt. Es ist eine kurze Zeit­span­ne im Frühling und im Frühsommer, in der man so etwas erleben kann, besonders dann, wenn man nicht willig (oder in der Lage) ist, an­stren­gen­de, stundenlange Bergaufstiege auf sich zu neh­men.

Storchschnabel (Geranium pratense)


Das Naturschutzgebiet Ettaler Weidmoos liegt zwischen Ettal, Oberammergau und Graswang. Auf den feuch­ten Streuwiesen und Moorflächen dieses Gebietes sind zahlreiche geschützte Pflanzenarten, darunter viele Orchideen, beheimatet.

Im Ettaler Weidmoos

Als Ausgangspunkt einer Wanderung in diesem Na­turschutzgebiet kann man entweder den kleinen NSB-Park­platz an der B23  wählen oder – so wie ich es ge­tan ha­be – den Parkplatz an der Arme-Seelen-Straße, den man über die in Richtung Schloss Lin­derhof  führende Staatsstraße 2060  erreicht.


WANDERKARTE:
Ammergauer Alpen:
Wanderkarte mit Ausflugszielen, Einkehr- & Freizeittipps sowie Mediationsweg Am­mer­gauer Alpen, wetterfest, reißfest, ab­wisch­bar, GPS-genau. 1:35000 (Wan­der­kar­te / WK).

Zahlreiche sind die Möglichkeiten, dieses Gebiet zu erwandern. Ein etwa fünf km langer Rundweg führt die Ammer entlang in Richtung Norden und über den Fahrweg Arme-Seelen-Straße wieder zurück.

Ich ziehe es vor, den Fahrweg bis zum Waldrand zu gehen und dann den Waldweg (Dickenwaldweg) in Rich­tung Westen zu spazieren – bis zu den Rahm­bau­ern­höfen. Das Wort Rahm hat übrigens nichts mit Schlagrahm zu tun, sondern bezeichnet Wiesen inmitten eines Bergwaldes.

Einer der Rahmbauernhöfen

Zurück wandere ich über die von kleineren Wegen durchzogenen Wiesen. Glasklare Bäche schlängeln sich durch das Moos. Bäche, die die Ammer speisen, die ihren Ursprung im Gras­wang­tal  an der Grenze zu Ös­ter­reich hat, wo das Wasser zuerst als Linder  bei Schloss Linder­hof  vor­bei­fließt und dann im Schotter des Tals versickert. Gerade bei den Rahm­bau­ernhöfen und oberhalb der Ettaler Mühle tritt es in mehreren Quelltöpfen wieder zutage.

Im Quellgebiet der Ammer

Was die Wolken vermuten ließen, tritt ein: Es trübt sich ein und beginnt zu nieseln. Was allerdings für den Wan­derer meist ein Ärgernis ist, ist für den Fotografen vorteilhaft, denn ein leicht behangener Himmel bringt die Farben mehr zum Leuchten, als es ein grelles Sonnenlicht je vermöchte.

Als absoluter Laie in Sachen Botanik kann ich über den floristischen Höhepunkt, der dieses Stück Na­tur her­vorgebracht hat, nur Staunen. Es blüht ei­ne große Anzahl von unterschiedlichen Pflanzen. Es sind jene, die die alpenländische Streuwiese bo­ta­nisch so reizvoll machen: Stängelloser, Früh­lings- und Schlauchenzian (Gen­tia­na acaulis, verna, utriculosa), Mehlprimel, Alpenhelm (Bart­schia alpina), Alpenfettkraut (Pinguicula alpina), Alpenmaßliebchen (Aster bellidiastrum) und niedrige Swarzwurzel (Scorzonera humilis).

Alpenmaßliebchen (Bellidiastrum michelii)

Aber auch Trollblumem und verschiedene Or­chi­de­en­arten (vor allem Orchis morio und Dacty­lor­chis latifolia) tragen bei zur un­ver­gleich­li­chen Schönheit dieses Biotops.

Trollblume (Trollius europaeus)

Kleines Knabenkraut (Orchis Morio)

Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus)


Kaum bin ich beim Auto zurück, zeigen sich am Himmel wieder erste Lichtstreifen. Es klart fast schlag­artig auf, was mich entsprechend un­ter­neh­mungs­lus­tig macht. Zwar habe ich den Wan­der­ab­schnitt des Ta­ges für be­en­det erklärt, nicht jedoch dessen aktiven Teil. Der Tag bleibt noch sehr lange hell.

Und weil Oberammergau  nur ein Katzensprung von hier entfernt ist, beschließe ich, dessen be­rühm­te, mit Lüftlmalereien verzierte Häuser wieder anzusehen. Sehr lange ist es her, als ich zum letzten Mal da war.

Lüftlmalerei (Pilatus Haus)

Die Lüftlmalerei, die heimische Kunstform der Fassadenmalerei, prägt seit Jahrhunderten die Ortsbilder ober­bayerischer Dörfer und Städte. Sie erzählt Geschichten vom traditionellen Leben und dem tief verwurzelten Glauben der Dorfbewohner. Sie erfasst biblische Darstellungen bis hin zu den klassischen Motiven der Bau­ern­malerei aus dem ländlichen Alltag und der Jagd.

Lüftlmalerei (Hotel Alte Post)

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BUCHTIPPS:
Poesie und Bilder - Alpenländische Wandmalerei
Die Fassadenmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts in Oberbayern, die so genannte Lüftlmalerei, erfreut sich heute wieder zunehmender Beliebtheit. Die bevorzugten Motive dieser Kunstform sind Heilige, Tiere, Landschaften, Motive aus dem Alltagsleben und Ornamente wie Fenster- und Türumrahmungen. Helmut Hüfner erläutert den kulturgeschichtlichen Hintergrund dieser Malereien und stellt die bekanntesten Lüftlmaler vor. Eine Vielzahl farbiger Abbildungen dokumentiert die ganze Bandbreite der volkstümlichen Motivik.

Was blüht denn da? (Kosmos-Naturführer)
Seit 1935 ist „Was blüht denn da?  “ das populärste Pflan­zen­be­stim­mungsbuch. Die Grundidee ist so einfach: Blühende Pflanzen fallen vor allem durch ihre Farbe auf. Was liegt also näher, als Blumen nach der Farbe ihrer Blüten zu bestimmen? Jetzt präsentiert sich „Was blüht denn da?  “ im neuen, frischen Gewand und wartet mit komplett aktualisiertem Inhalt und vielen Detailabbildungen auf.