MÜNCHNER  SPAZIERGÄNGE

STAND: JANUAR 2022


WINTERSPAZIERGANG IM NYMPHENBURGER SCHLOSSPARK


7. JANUAR 2021:  Ein herrlicher Wintertag! Ideal für einen Spa­ziergang im Nym­phen­bur­ger Schloss­park, einem Park, der mit seinem 180 ha zu den größten – und schöns­ten – Parkanlagen in Europa zählt. Das denk­mal­ge­schützte Gartenkunstwerk mit seinen kleinen Seen, Kanälen und Schlöss­chen ist ein Land­schafts­schutz­gebiet mitten in der Stadt.

Erreichen kann man Schloss Nymphenburg bei­spielsweise vom Stachus  aus mit der Tram 16  zum Romanplatz. Von dort sind es nur noch etwa 10 Minuten zu Fuß bis zum Schloss. Mit dem Auto ist es an Wo­chen­ta­gen insofern kein Problem, weil man vor dem Schloss relativ leicht einen Parkplatz findet.

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Die Öffnungszeiten (Haupttor) des Schlossparks sind folgende: Januar-März, November, Dezember: 6-18 Uhr/ April und Oktober: 6-20 Uhr/ Mai-Sep­tem­ber: 6-21.30 Uhr. Die übrigen Parktore werden eine halbe Stunde früher geschlossen.
Weitere Besucherinformationen.
Achtung: Wegen der Corona-Pandemie sind alle Sehenswürdigkeiten derzeit geschlossen.

Besonders beliebt bei den Besuchern sind die Schwäne. Sie schwimmen majestätisch zusammen mit zahl­rei­chen Enten und Gänsen über die Seen des Schlossparks. Viele Vögel, besonders Was­ser­vö­gel, kommen nach Deutschland aus Nord- und Osteuropa zum Überwintern.

Die Nymphenburger Schwäne putzen sich

Im Winter wirkt das große Gartenparterre vor der Schlossanlage etwas trostlos, da sich die Statuen und die Fontäne hinter Bret­ter­verschlägen ver­ber­gen. Die kunstvolle Verknüpfung von barockem „französischem“ Garten und Landschaftspark, die als Meisterwerk der Gar­tenkunst gilt, lässt sich nur erahnen.

Ich zweige gleich südwärts ab, tauche im Wäldchen ein, überquere den südlichen Kanal, zweige rechts ab und stehe dann unmittelbar vor einem zwei­stöckigen Holzpavillon mit balkonartiger Ga­le­rie, dem sogenannten Hexenhäuschen, das sich in einem eingezäunten kleinen Garten befindet. Ich mochte den Kronprinzengarten schon immer, in jeder Jah­res­zeit: Im kleinen, durch einen Holzzaun ab­ge­grenzten Garten tritt ein Bach zwi­schen Stei­nen hervor, als sei es eine natürliche Fel­sen­quel­le; über den Bach, der in der warmen Jah­res­zeit ein beliebter Spielplatz für Kinder ist, führen kleine Brücken – die reinste Idylle! Der kleine, fast „ja­pa­nisch“ an­mu­tende Land­schafts­gar­ten wurde 1799 für den noch kleinen Kron­prinzen Ludwig, den spä­te­ren König Ludwig I. angelegt.

Pavillon im Kronprinzengarten

Nur wenige Schritte weiter den Weg entlang komme ich zur nächs­ten Se­henswür­digkeit, zur Ama­lien­burg. Kurfürst Karl Albrecht ließ das Lust- und Jagdschlösschen für seine Gemahlin Maria Amalia, eine Kai­ser­toch­ter, ab 1734 errichten. 1739 war die kleine Schloss­an­lage vollendet.

Die Amalienburg

Details der Fassade

Die Amalienburg zählt zu den kostbarsten Schöp­fun­gen des eu­ro­pä­i­schen Rokoko. Grund­riss, Au­ßen­bau und Raumfolge formen ein Ge­samt­kunst­werk von erlesener Schönheit. Den Entwurf für Architektur und De­ko­ra­tion lieferte François Cu­villiés d.Ä.  Zurzeit verhindert die Co­ro­na-Pan­de­mie eine Besichtigung.

Ich gehe weiter am kleinen Kanal entlang und ge­lange zum sogenannten Dörfchen, einem Häu­ser­kom­plex, das einem Bauerndorf aus dem 18. Jahr­hundert nachempfunden wurde, hinter dessen Fas­sa­den sich aber die Technikzentrale für die Was­ser­spiele im Park verbirgt. Sein Mittelpunkt ist das Grüne Brunn­haus. Das Was­ser, das vom Brunn­haus gepumpt wird, versorgt die um­lie­gen­den Fontänen, so auch die Große Fontäne und die nicht weit entfernte Badenburg.

Das grüne Brunnhaus

Die fünf Gebäude des Dörfchens stehen am Nord­ufer des südlichen Parkkanals. Sie wurden für Hof­be­diens­tete errichtet und sind teilweise immer noch bewohnt Häuser verkör­pern die idealisierte Vorstellung des Land­le­bens in höfischer Zeit.

Hirschgartenbrunnhaus

Dem ursprünglichen zweistöckigen Grünen Brunn­haus wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahr­hun­derts einige weitere eingeschossige kleine Bau­ern­häu­ser zugesellt, unter denen das Hirsch­gar­ten­brunnhaus.


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Am Südlichen Kanal

Vom Dörfchen sind es nur wenige Minuten am Kanal entlang bis zum Badenburger See. Ich überquere eine kleine Brücke und stehe dann wie berauscht vor der meines Erachtens schönsten Aussicht des gesamten Schlossparks.

Die Brücke bei der Badenburg

Die Badenburg liegt am südöstlichen Ende des Badenburger Sees. Das von Joseph Effner in den Jahren 1719 bis 1721 geschaffene Bauwerk gilt als das erste beheizbare Hallenbad der Neuzeit. Es sollte ausschließlich dem Badevergnügen am Hof dienen. Im Untergeschoss befindet sich ein 8,70 mal 6,10 Meter großes, mit hol­ländischen Fließen aus­ge­legtes Becken. Es ist so tief, dass man sogar darin schwimmen könnte. Nymphen und Najaden zieren die Decke des mit Stuckmarmor verkleideten Badesaals, der sogar über eine Galerie für Gäste verfügt.

Die Badenburg

Nach einer Zeit, in der Körperpflege keine Auf­merk­samkeit genoss – im 17. Jahrhundert war es kaum üblich, sich zu waschen, man überdeckte selbst am Hofe des Sonnenkönigs in Versailles Schmutz und Gestank mit reichlichem Gebrauch von Puder und Par­füm –, war die Badenburg das erste komfortable Luxusbad. Eine Besichtigung ist – sobald es wieder ermöglicht wird – unbedingt zu empfehlen.

Am Badenburger See

Pittoresk der Blick auf den winterlichen See. Die Seeoberfläche ist fast überall zugefroren. Die Äste der Blut­buchen  heben sich im Gegenlicht wie Scherenschnitte vom Himmel ab. Am anderen Ufer sieht man den von der schwachen Sonne be­leuch­te­ten Apollotempel, den zweiten „Monop­teros“ Münchens. Man möchte über das Eis zu ihm hin­spazieren. Aber Achtung: Das noch dünne Eis soll­te man tunlichst nicht be­tre­ten. Die Win­ter­tage sind seltener geworden, an denen vor dieser mär­chen­haf­ten Kulisse Schlitt­schuh­run­den gedreht wer­den und nach Walzerrhythmus ge­tanzt wird.

Irgenwo muss es ein Nest geben

Wenn man den Weg am Seeufer entlang geht, kommt man zwangsläufig zum Apollotempel, einem Mo­nop­teros aus Sandstein mit zehn Säulen im korinthischen Stil. Das Bauwerk wurde nach einem Plan von Leo von Klenze 1862–65 errichtet. Im Innern befindet sich eine Stele mit einer Wid­mung König Ludwigs I. Auch von diesem grie­chisch anmutenden Tempelchen hat man eine schöne Sicht auf den See. Zahlreich haben sich hier Be­su­cher versammelt und strecken ihre Gesichter in Richtung Sonne.

Der Apollotempel

Über den Steg über den Schlossgartenkanal ge­lan­ge ich zum Pagodenburger See, an dessen Ufer sich das Kleinste der Schlösschen des Parks be­fin­det, die Pagodenburg. Sie wurde unter Leitung von Joseph Effner 1716-1719 erbaut und 1767 durch François Cuvilliés d. Ä. im Stil des „Ro­ko­ko“ überarbeitet.

Der Pagodenburger See

Obwohl die Temperatur leicht über null liegt, ist die gefühlte Temperatur wegen eines immer wieder auf­tre­tenden Windes um einiges „winterlicher“. Dank dieses Lüftchens ändert sich auch stetig das Erscheinen des Himmels. Manchmal sieht es aus, als würden sich dunkle Schneewolken breit­ma­chen, dann ist der Himmel minutenlang fast völlig klar.

Weil das Schlösschen unter einem hässlichen Ge­rüst steht und es zunehmen kälter wird, lasse ich es bei ei­nem Blick auf den pittoresken See und kehre zurück zum Schlossgartenkanal.

Der Schlossgartenkanal

Der letzte Kilometer am Schlossgartenkanal ent­lang und über das Parterre zurück zum Haupt­schloss ent­wi­ckelt sich zu einem Licht- und Far­benerlebnis sondergleichen: Zwischen den Wol­ken im Westen öffnet sich immer wieder eine Lücke, durch welche die goldene Spät­nach­mit­tags­son­ne kon­trast­lose Szenerien in „Gemälde“ verwandelt.

Die Allee am Schlossgartenkanalanal

Es lohnt sich meines Erachtens fast immer, wenn man Spaziergänge so plant, dass sie so wenig wie möglich in den farblosen Mittagsstunden liegen und dass sie sich möglichst bis in den späten Nach­mittag – im Winter ist dies bereits 15-16 Uhr – hi­nein­ziehen.

Das lichtdurchflutete Schloss

Unter dem markanten Uhrturm des Mitte des 18. Jahrhunderts unter Kurfürst Max III. Joseph er­rich­tete Nordflügels des Schlosses befindet sich das zentrale Eingangsportal zum Orangerietrakt. Es sollte dort ein Theater- und Comödiensaal un­ter­ge­bracht werden. Heute befinden sich hier der Hubertus-, der Orangerie- und der Johannissaal. Die Säle dienen als Konzert- und Ausstellungssäle sowie für Empfänge. Der Name „Orangerie“ leitet sich davon ab, dass die Räume Zitruspflanzen zum Überwintern Platz bieten sollten. Die räumliche Nähe zwischen Orangerie und Festräumen war bewusst gewählt, denn die duftenden, blühenden Zitruspflanzen waren damals auch eine beliebte Dekoration von Speisezimmer und Tafel.

Orangerietrakt des Schlosses

In der historischen „Leibpferde-Stallung“ in den südlichen Ka­va­liers­ge­bäuden des Schlosses be­fin­det sich heute das Marstallmuseum. Einst standen hier während der Sommermonate die kostbaren Reitpferde der Wittelsbacher. Mit über vierzig repräsentativen Kutschen, Schlitten und Reitzubehör aus Wittelsbacher Besitz dokumentiert das Museum dreihundert Jahre fürstliche Wag­en­bau­kunst sowie Fahr- und Reitkultur.

Südflügel mit dem Marstallmuseum

Das haben der Schneemann und ich gemeinsam: Der Spaziergang hat uns müde gemacht!