WISSENSWERTES

STAND: JANUAR 2022


SAGEN UND GESCHICHTEN


2. FEBRUAR 2021

Jedes Mal, wenn mich Freunde von außerhalb Mün­chens besuchen, stehe ich vor dem glei­chen Di­lem­ma: Was kann ich als im­pro­visierter Stadt­füh­rer bei einem Bummel durch die Stadt meinen Gästen zei­gen, be­vor wir – das ist klar – zum gemütlichen Teil der Tour (einem Biergarten) übergehen? Wobei das Schwierigste daran ist, über das Ge­zeig­te auch noch et­was zu erzählen. Leider sind meine Kennt­nis­se der Münchner Stadt­ge­schich­te sowie von Ar­chi­tek­tur und Kunst ziemlich dürftig. Glück­li­cher­weise kann man mit  Anekdoten, wun­der­lichen Ge­schich­ten und Le­gen­den mehr Interesse er­zeu­gen als nur mit nack­ten historischen Tatsachen. Also machte ich mich auf die Suche!


DER TEUFELSTRITT


Der sogenannte Teufelstritt is ein schwarzer, in Stein gehauener Fuß­ab­druck am Boden der Ein­gangs­halle der Münchner Frau­enkirche, den der Teufel höchstpersönlich hinterlassen haben soll. Tritt ein Besucher der Frau­enkirche mit seinem Fuß in diesen Abdruck und blickt in Richtung Hochaltar, ist von diesem Punkt keines der Seitenfenster zu sehen – sie werden dort von Säulen verdeckt. Von 1622 bis ca. 1860 sah man sogar das Mittelfenster nicht, weil es verdeckt war durch den gewaltigen Re­nais­san­ce-Hochaltar. Darum rankt sich eine alte Sage.

Der Teufelstritt

Eine der Versionen der Sage, die sich um diesen Fußabdruck ranken, besagt, dass der Bau­meis­ter Jörg Gang­hofer  mit dem Teufel einen Pakt ge­schlos­sen hatte, damit ihm dieser hel­fe, die Kir­che zu bauen. Dafür sollte der Teufel die Seele des ersten Menschen be­kom­men, der die Kirche betritt. Als die Kirche fertig, aber noch nicht ein­ge­weiht war, wollte der Teufel seinen Lohn abholen. Als er zum Baumeister ging, sagte dieser al­ler­dings, dass die ge­leis­te­te Arbeit des Teufels schlecht gewesen sei, da er die Fenster in der Kirche ver­ges­sen ha­be. Und in der Tat: Als der Teufel einen Blick in die Kirche warf, sah er kein einziges Fens­ter. Vor Wut stampf­te der Teufel fest auf, hinterließ den be­nann­ten Fußabdruck im Pflaster und verließ wü­tend das Gotteshaus. Von außen sah er dann aber, dass die Kirche sehr wohl Fenster hatte. Als er be­griff, dass er rein­gelegt worden war, verwandelte er sich zornig in einen heftigen Wind und versuchte, das Gebäude zum Einstürzen zu bringen. Noch heu­te „stürmt“ der eine oder andere seiner Ge­sel­len immer noch um die Türme.

Eine weitere Version der Sage  ist folgende: Als der Teufel von der Planung zur Errichtung einer wei­te­ren Kirche in München erfuhr, tobte er vor Wut. Also ging er zum Baumeister Jörg Ganghofer und schlug ihm vor, ihm zu helfen. Als Ge­gen­leis­tung sollte ihm der Baumeister versprechen, keine Fenster in die Kirche einzubauen. Sollte er dagegen verstoßen, würde er dem Teufel seine Seele überlassen. Der Teufel dachte, dass kein Mensch eine Kirche ohne Fenster besuchen würde. Ganghofer ging auf den Pakt ein. Es wurde mit dem Bau be­gon­nen. Der Teufel arbeitete fleißig mit und erfreute sich an der Vorstellung einer völlig dunklen Kirche. So wurde Woche für Woche, Jahr für Jahr gebaut, bis eines Tages die Kirche fertig und geweiht war. Doch jetzt musste der Teufel feststellen, dass die Menschen zahlreich in die Kirche strömten. Da wurde er zornig und warf dem Baumeister vor, sich nicht an die Ab­ma­chung gehalten zu haben, und verlangte nach seiner Seele. Doch der Meister meinte, er habe sich an die Abmachung gehalten, der Teufel solle sich selbst davon über­zeu­gen. Das wollte der Teufel auch tun, aber er konnte die Kirche nicht mehr vollständig betreten, weil sie bereits geweiht war. Er positionierte sich an den Eingangsbereich und schaute hinein. Doch er konnte kein einziges Fenster sehen. Da geriet er so sehr in Rage, dass er so fest aufstampfte, dass sein Fußabdruck bis heute zu sehen ist.


DER AFFENTURM


Der Alte Hof, im späten 12. Jahrhundert gebaut, entstand als herzogliche Stadtburg. Ab et­wa 1255 wurde er die Residenz der Herzöge von Oberbayern, später von Bayern ins­ge­samt. Kaiser Ludwig der Bayer machte die Burg sogar zum ersten festen Kaisersitz  Deutschlands.

Um einen Erkerturm im Alten Hof, dem so­ge­nann­ten Affenturm, spinnt sich eine spannende Le­gen­de, die den Besuchergruppen bei jeder Alt­stadt­führung erzählt wird.

 

Der Alte Hof mit dem Affenturm

Der Legende nach hatte Herzog Ludwig II. (der Strenge), Vater von Ludwig dem Bayern, ei­nen zahmen Af­fen, der frei in der Residenz herumlaufen durfte. Eines Nachts, als der klei­ne Herzogssohn für einen kurzen Au­gen­blick unbeaufsichtigt war, schlich sich der Affe in sein Zimmer, nahm das Baby in die Arme und warf es immer wieder vergnügt kreischend in die Luft. Als die Amme zurückkam, schrie sie vor Entsetzen. Worauf das Äffchen er­schrak und – mit dem kleinen Wittelsbacher in den Ar­men – die Flucht ergriff. Der ganze Hofstaat hinterher.


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Der Affe rettete sich in seiner Panik durch eine Dachluke auf die höchste Spitze des Er­ker­turms – den kleinen Ludwig immer fest mit dem Arm um­klammernd. Nach gutem Zureden ließ sich das Äffchen schließlich zur Rückkehr bewegen. Er schwang sich zurück aufs Dach, ab durch die Dach­luke und brachte den Kleinen sicher zurück in sein Bettchen.

Dass der Erkerturm erst 1470 erbaut wurde, Ludwig der Bayer aber bereits 1347 bei einem Jagdunfall ums Leben gekommen war, sei nur nebenbei erwähnt.


DER TEUFEL UND DAS KIRCHTURMKREUZ


Die Pfarrkirche Sankt Peter, deren Turm im Volksmund Alter Peter  genannt wird, zählt zu den Wahr­zeichen Münchens. Es handelt sich um die die älteste erwähnte Pfarrkirche der Stadt. Vom Turm des Alten Peter  kann man einen der schönsten Aus­blicke über München genießen. Man braucht nur 306 Stu­fen bewältigen, um die Aus­sichts­platt­form auf 56 Metern Höhe zu er­rei­chen.

Auch um den Alten Peter  rankt sich eine Legende, die den Teufel betrifft. Das Kirch­turm­kreuz auf der Turm­spitze ist nämlich nicht wie üblich aus­ge­rich­tet, sondern parallel zum Kirchenschiff.

Der Kirchturm vom Alten Peter

Der Legende nach wollte der Teufel, der beim Bau der Frauenkirche hin­ter­gangen worden war, sich St. Peter vornehmen, um die „ver­ma­le­deiten, got­tes­fürchtigen Münchnern“ zu bestrafen. Der wa­cke­re Turmwächter konnte aber die ganze Horde der Teufel mithilfe eines Holzkreuzes, das über seinem Bett hing, in die Flucht schlagen. So konnte der Teufel nur noch wut­ent­brannt zurück in die Hölle fahren. Davor soll er aber wütend gegen das Kreuz getreten haben, sodass sich dieses um 90 Grad drehte.

In Wahrheit verhält es sich ganz anders: Weil das etwa vier Meter hohe Kreuz in München oft kräf­tigen West­winden ausgesetzt ist, drohte es auf das Mit­tel­schiff zu stürzen. Deshalb wur­de es um 90 Grad gedreht, um dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten.


DER GOLDSCHMIED VOM SCHÖNEN TURM


Wenn man in der Fußgängerzone (in der Kau­fin­gerstraße) unterwegs ist, fällt einem un­wei­gerlich das 1914 erbaute, repräsentative Ge­schäfts­haus Zum schönen Turm auf. Kaum je­mand kennt es unter diesem Namen, wohl ist es aber als Her­ren­mo­de­geschäft Hirmer  bekannt. Der Name ver­weist auf den Schönen Turm, einen Torturm der mittelal­terlichen Stadtmauer Münchens, der im Jahr 1807 abgerissen wurde. Dieser Turm war an­fangs ein einfacher Torturm, durch den die Salzstraße nach Westen führte. Nach dem Bau der äu­ßeren Stadtmauer diente der Turm der Han­dels­fa­milie Kaufinger  als Wohnturm und wurde nach ihr benannt.

Der Schöne Turm

Vom Schönen Turm  ist leider nichts geblieben. Wenn man vor dem Hirmer-Haus auf den Boden schaut, sieht man farblich abgesetzte Geh­weg­plat­ten, die Grundriss und Lage des Turms nach­zeich­nen. Betrachtet man die Fas­sade des Hirmer-Hauses, kann man aber Wei­teres ent­de­cken, das eben­falls auf den Turm hinweist. Eine Bronzetafel, auf der die Fresken des Turms deutlich zu erkennen sind, eine weitere Inschrift an der Hauswand und eine Steinskulptur an der Hausecke Kaufinger- und Au­gus­ti­nerstraße: Ein Mann, der die schwere Last eines Turms auf den Schultern trägt. Die Skulptur erinnert an die traurige Sage vom Goldschmied im schönen Turm.

Einst soll ein rechtschaffener Goldschmied am Schönen Turm  seine Werk­statt gehabt haben. Eines Tages erhielt er von einem Edelmann den Auftrag, die Kopie eines wertvollen Schmuckstücks an­zu­fer­tigen. Es ge­schah aber, dass er eines Tages von der Mahlzeit in die Werkstatt zurückkam und mit Schrecken merkte, dass das wertvolle Originalstück verschwunden war, obwohl er die Tür sorgfältig verschlossen hatte. Nur eines der oberen Fenster war offen geblieben, aber unerreichbar für Diebe. Verzweifelt lief er zu dem Edel­mann und berichtete von seinem Unglück.

Der Schöne Turm 1805

Doch weder der Kunde noch der Richter glaubten ihm. Der Goldschmied mochte beteuern und be­schwören, was er wollte, er wurde für schuldig er­klärt, zum Tode verurteilt, durch das Tor des Schönen Turmes aus der Stadt geführt und hin­g­erichtet.

Einige Zeit nach der Hinrichtung mussten Teile des schönen Turms aus­ge­bessert werden. Ein Hand­wer­ker kletterte auf den Turm und entdeckte dort ein Dohlennest. Als er genauer hinschaute, sah er etwas darin glitzern. Es war der verschwundene Schmuck des Gold­schmieds! Die Dohle war of­fen­sichtlich durchs Fenster geflogen und hatte des Glanzes wegen das Schmuckstück entführt.


DER BREZENREITER VON HEILIG-GEIST


Im Deckenfresko der Heilig-Geist-Kirche  erkennt man einen Mann neben einem weißen Pferd mit einer Breze in der Hand: den Brezenreiter.

Am 12. Juli 1318 wurde von Burkhard Wadler, ei­nem einflussreichen und wohlhabenden Kauf­mann und sei­ner Frau Heilwig  die „Wadler-Spende“ ins Leben gerufen, eine der ersten his­to­rischen und namentlich er­wähnten welt­li­chen Stiftungen in München. Das Paar stiftete 63 Pfund Pfennige an das Heilig-Geist-Spital  für die Armen und Kranken im Spital.

Einmal im Jahr sollten jedoch auch die anderen Armen in München etwas von der Spende haben: So wurden drei Pfund Pfennige der Stiftung für eine jährliche Brezenspende vor­ge­sehen. Ein Bre­zen­rei­ter  zog dann nachts auf einem Schimmel, damit man ihn besser se­hen konnte, durch die Stadt. Mit den Worten „Ihr jung und alte Leut, geht’s hin zum Hei­li­gen Geist, wo’s die Wadler Pretzen geit!“ rief er die Münchner zur Bre­zen­spen­de zu­sammen.

Der Brauch hielt sich fast ein halbes Jahrtausend. Als dem Brezenreiter im Jahr 1801, einem Jahr mit großer Not, die Brezen ausgingen, waren die Münchner so verärgert, dass sie den armen Mann vom Pferd zerrten und verprügelten. Das führte dazu, dass der Münchner Stadt­rat den Ritt des Brezenreiters im folgenden Jahr ab­schaffte. Der Brauch wurde da­rauf­hin für viele Jahre eingestellt.


Einer Legende nach wurden die Brezen  im Jahr 1160 von einem Bä­cker aus Bad Urach  er­fun­den, der wegen eines Vergehens zum Tode ver­ur­teilt worden war. Sein Lan­des­herr wollte ihm noch eine Chance ge­ben, falls er ein Brötchen backen würde, durch den die Sonne dreimal scheint, ein Symbol der Heiligen Drei­fal­tig­keit. Der Bäcker ging ans Werk und erfand die Brezen.


DAS RAPPENECK


An der Ecke Sendlinger Straße und Färber­graben, am Gebäu­de, welches jahr­zehn­te­lang das Sportgeschäft SportScheck beherbergt hat, befindet sich auf einem stei­nernen Rund­bogen das Relief eines Pferdes. Da­run­ter kann man Rappeneck lesen. Freilich hat die Stelle kaum etwas mit einem Pferd zu tun. Im Laufe der Zeit hatte sich eine Wort­verän­derung ein­ge­schlichen. Älteren Auf­zeich­nungen zufolge war hier das „äußere Rabeneck“. Der Bezug zu den Raben ergibt sich aus der Tat­sache, dass der Ort im Mittel­alter eine Hin­rich­tungs­stel­le war und die als „Galgenvögel“ und „Todesvögel“ bekannten, aasfres­senden Vögel sich auf solchen Hin­rich­tungs­stel­len tummelten. Im Mittelalter wurden Richt­stätten deshalb oft „Rabenstein“ genannt.

Das Rappeneck

Die Richtstätte befand sich an der ersten Münchner Stadt­mauer zwischen dem äußeren Rabeneck (heute Rappen­eck), dem inneren Rabeneck (heute Ruffinihaus) und dem ehe­maligen Rabenstein (heutige Hofstatt). Nach der Stadter­wei­terung im 13. Jahrhundert un­ter Ludwig dem Strengen wurden die Richt­stätten au­ßer­halb der neu­en Stadtmauer verlegt.

Die von den Bewohnern der Stadt ge­fürch­teten und geächteten Henker führten hier ihren grausigen Beruf aus. Nachdem die zu Bestrafenden gehenkt wurden, ließ man deren Leichen am Galgen baumeln – dieser furcht­bare Anblick sollte zur Abschreckung dienen. Dann ka­men in großer Zahl die Raben, die sich über die sterb­lichen Überreste hermachten.

In der Tat wurden bei Grabungen Knochen gefunden. Laut einer Legende soll es an dieser Stelle auch immer noch spuken: Demnach wären die Hingerichteten, ihre Köpfe im Arm tragend, vor allem in finsteren Neu­mond­nächten zu sehen.


DER SCHÄFFLERTANZ

Der Schäfflertanz ist ein Zunfttanz der Schäffler  (Fassküfer, Fasshersteller), die zu Musik festgelegte Figuren tanzen.

Der Legende nach gab es 1517 eine große Pest­epi­demie. Die Münchner trauten sich nicht mehr aus ihren Häusern, weil sie Angst vor der Krankheit hatten. Um die Bevölkerung zu beruhigen und das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen, be­schloss ein Schäffler, dessen Name nicht bekannt ist, dem Leid der Bewohner ein Ende zu setzen und sie mit einem Tanz zu erheitern. Mit ihm traten ein paar mutige, junge Schäff­ler­gesellen auf den Marktplatz auf. Belegt ist diese Legende nicht. Es ist nicht einmal sicher, dass es 1517 in München eine Pestepidemie gab. Denn in diesem Jahr gibt es keine Auffälligkeiten im Sterberegister. Die Legende, die den Schäfflertanz mit der Pest in Verbindung bringt, ist vermutlich erst im 19. Jahrhundert entstanden. Den ersten wirklichen Beleg für den Schäfflertanz gibt es allerdings erst für das Jahr 1702.

Der Schäfflertanz

Der Schäfflertanz hat inzwischen in vielen Orten Bayerns Tradition. Er fin­det alle sieben Jahre statt, von Heilig Dreikönig bis zum Fa­schings­diens­tag. Das nächste Schäfflerjahr ist 2026. Ein früherer Schäffler-Auftritt nach der Corona-Epidemie könnte aber wegen der Parallele zur historischen Pest­epidemie durchaus aktuell werden.


DER METZGERSPRUNG


Wie auch beim Schäfflertanz  entstand der Brauch des Metzgersprungs am Ende einer schweren Pest. 1517 schlossen sich die Metzgerburschen, die mit Fellen und Kalbs­schwän­zen behangen waren, den damals tan­zen­den Schäfflern an. Durch einen aus­ge­las­senen Sprung in den Fischbrunnen auf dem Marktplatz wollten sie dokumentieren, dass durch das Wasser keine Gefahr mehr ausging und die Pest besiegt war.

So entstand die Tradition, dass die Metzgergesellen nach bestandener Lehrzeit den Metz­ger­sprung  aus­führ­ten. Frei- und übermütig stürzten sie sich ins Wasser des Brunnens und wurden auch un­ter­ge­taucht. Beim Auftauchen wurden die Metz­ger-Lehr­lin­ge dann noch­mals mit Eimern voller Wasser über­gos­sen. Vor al­lem aber bespritzten sie aus­ge­las­sen auch die umherstehenden Gaffer mit Wasser.

Weil das lustige Treiben immer öfter zu Aus­schrei­tun­gen führte, verbot 1793 der ungeliebte Kur­fürst Karl Theodor  den Metzgersprung. Erst 1850 ließ König Maximilian II.  den alten Volks­brauch wieder aufleben.

Nach einigen Unterbrechungen wird der Brauch des Metzgersprungs auch heute wieder zum Abschluss der Lehrzeit bei der sogenannten Frei­spre­chung der Metzgerburschen  durchgeführt. Das geschieht alle drei Jahre im September, am letzten Fe­rien­sonn­tag (letztmals im September 2019).


DER LEICHENSCHMAUS VON 1509


Der Leichenschmaus für Albrecht von Bayern (Albrecht IV. der Weise) wurde das Erste von meh­re­ren spä­ter legendären Festen des Hofes der Wit­tels­bachers im 16. Jahrhundert.

Anlässlich des Begräbnisses des Herzogs im Jahr 1509 wurde ein Schauessen der Su­per­lative ge­geben mit 23 Gängen. Das Essen bestand immer ab­wech­selnd aus zwei Ge­rich­ten für den Gaumen und einem „religiösen Schau­ge­richt“, wobei den Letz­teren, um sie für die Gäste anziehender zu ma­chen, Gebäcke von Zucker und Mandeln beigegeben wurden.

Der kulinarische Bogen umspannte die sieben Weltzeitalter, von Adam und Eva bis zum Jüngsten Gericht.

Das 1. Essen stellte Adam und Eva in einem grünen Garten dar und eine Schlange mit einem Apfel im Maul.
Das 2. Essen war ein gesottener Schweinskopf auf einem Rost abgetrocknet.
Das 3. Essen war gesottenes Fleisch mit Kapaunen, Hühnern und getrocknetem Fleisch.
Das 4. Essen war eine Figur der Arche Noah mit beiliegenden Oblaten, mit Zucker gebacken.
Das 5. Essen war ein warmes Essen, Fisch von Lachsen, Äschen und weiteren guten Fischen.
Und so geht es weiter, mit eingemachten Hasen, Gemüse, Pasteten mit Birnen, ein­ge­mach­ten Vögeln, ge­bra­tenen Fasanen, Haselhühnern und Rebhühnern. Nicht sehr fantasievoll, dafür aber üppig und „gesund (!)“ . Dazwischen immer wieder die Dar­stel­lun­gen der Weltzeitalter: König David, der Turm von Babylon, die Mensch­werdung Christi, das Jüngste Gericht.

Das 22. Essen war ein Meisterwerk der Konditorei. Es stellte eine Nach­bil­dung von Albrechts heute ver­lo­re­nem Grabmal in der Münchner Frau­en­kirche dar.

Apropos essen und Trinken: Herzog Albrecht IV.  war vor allem dafür bekannt, dass er am 30. November 1487 eine Norm erlies, nach der die Brauer Mün­chens nur Gerste, Hopfen und Wasser zur Bier­her­stellung ver­wen­den dür­fen. Dieser Erlass wur­de viel später, ab den 1980er-Jahren, von den Münchner Brauereien als „Münch­ner Rein­heits­ge­bot“ be­zeich­net. Jetzt wissen Sie, weshalb Herzog Albrecht  „der Weise“ genannt wurde"!

Der Maibaum am Viktualienmarkt


DIE SCHWARZE FRAU DER WITTELSBACHER


Gespenster, die in Schlössern europäischer Adels­fa­milien gespukt haben sol­len, gibt es zahl­rei­che – eu­ro­pa­weit! Eines davon ist die Weiße Frau, der Geist eines weiblichen Vor­fahren des jeweiligen Adels­ge­schlechts. Im All­ge­mei­nen gilt die Weiße Frau nicht als bös­wil­lig. Ihr Erscheinen verursacht trotzdem Schre­cken, weil es Unheil, insbesondere die To­des­fäl­le von Mit­glie­dern der Familie an­kün­digt. In solchen Fällen erscheint sie manch­mal auch schwarz gekleidet. Eine solche Schwarze Frau, eine schwarz ge­klei­dete, ver­schlei­er­te Geis­ter­frau soll durch die Gemäuer der Residenz, dem ehe­ma­ligen Stadt­schloss der Wit­tels­ba­cher, wan­deln. Einmal kommt sie angeschwebt, einmal trippelt sie auf hochhackigen Schuhen. Ge­le­gent­lich hält sie einen Apfel in der Hand. Sie er­schien nicht nur in der Re­sidenz, sondern auch im Schloss Schleiß­heim.

Die Residenz

Wie ein Fluch verfolgt sie seit Jahrhunderten die bayerische Adelsfamilie. Eine der mög­li­chen Kan­di­da­tinnen ist Maria von Brabant, die Frau von Lud­wig dem Strengen. Er ließ sie enthaupten, weil er dachte, sie sei ihm un­treu. Eine weitere Kandidatin ist Agnes Bernauer, die in der Donau ertränkt wurde.

Wer immer sie sei, jedes Mal, wenn sie gesehen wird, stirbt kurz darauf ein Familienmitglied. Man sah sie in der Nacht auf den 13. Juni 1886, dem Tag, an dem Ludwig II. (der „Kini“) un­ter ge­heim­nis­vollem Umständen im Starn­ber­ger See  ums Leben kam. Mitte des 19. Jahr­hun­derts wurde sie ge­se­hen, gleich mehrere Wit­tels­bacher starben im selben Jahr. 1969 erschien sie Prinz Adalbert von Bay­ern in einem Traum, kurz danach verunglückte sein Sohn bei einem Flugzeugabsturz. Noch heute berichten Besucher und Aufseher der Re­sidenz immer wieder von einer Begegnung mit einer schwarz gekleideten Frau in altertümlicher Kleidung ...


DER HEILIGE ONUPHRIUS


Schon seit Urzeiten befand sich an der Fassade des Hauses Nummer 17 am Schran­nen­platz (dem heu­tigen Marien­platz) ein Gemäl­de eines rie­sigen Bär­tigen, der nur mit Blät­tern be­kleidet war. Er trug einen Kno­ten­stock und ein Doppel­kreuz und wurde von den Be­wohnern oft fälsch­licher­weise für den Hl. Chris­to­phorus gehal­ten. Es handelt sich in­dessen um den Hei­ligen Onuphrius (etwa 320-400), einen abes­si­ni­schen Aske­ten, der als Hei­liger in der kop­tischen, ortho­doxen und ka­tho­lis­chen Kirche verehrt wurde. Er war Münchens erster Stadtpatron.

Um die Beziehung Münchens zu dem Hei­ligen ranken sich Legenden. So soll Heinrich der Löwe  während seiner Jerusalemfahrt 1172 in einem Kloster die Gebeine des Onuphrius gesehen haben. Als er von den Mönchen dessen Geschichte hörte, entschloss er sich, ihn zum Patron für seine Heimreise zu wählen. Er bekam von den Mönchen die Hirnschale des Heiligen. Feierlich soll der Herzog samt Gefolge über die Isar­brücke in München eingezogen sein, vor ihnen trugen sie den Reliquienschrein. So wurde St. Onuphrius in München bekannt und verehrt.

Sankt Onuphrius

1416 kehrte der Münchner Heinrich Primat  von einer Pilgerreise aus dem Heiligen Land zurück. Da er gelobt hatte, für den Fall seiner glücklichen Heimkehr zu Ehren des Heiligen Onuphrius ein groses Gemälde zu stiften, ließ er an der Fassade seines Hauses am Schran­nenplatz das Bildnis dieses Heiligen anbringen. Jedes Haus, das seitdem an diesem Platz steht, trägt an der Fassade das Bild vom Hl. Onuphrius. Auf dem heutige Ge­bäu­de befindet sich ein Mosaik des Heiligen. Es wurde etwa 1960 von Max Lacher errichtet. Eine Legende erzählt weiterhin, dass es zum Volks­glauben wurde, dass kein Mensch, der das Bild ansehe, am selben Tag eines jähen Todes sterbe.

Onuphrius gilt als derr Patron der Weber, der Stu­denten mit Lern­pro­ble­men, der hei­rats­wil­ligen Frauen sowie der Pros­ti­tuier­ten. Er schützt aber auch die von sexuellen Über­griffen Bedroh­ten und hilft beim Wieder­finden verlorener Sachen.


BUCHTIPP:
Sagen und Legenden von München
Das Buch gibt Antworten auf Fragen wie: Wer ist die geheimnisvolle „Schwarze Frau“ der Wittelsbacher? Was hatte es mit der „Eisernen Jungfrau“ für eine Bewandtnis? Woher hat das unheimliche Fausttürchen seinen Namen? Was treibt der Teufel an der Turmspitze von St. Peter?

BUCHTIPP:
111 Orte in München, die man gesehen haben muß
Wussten Sie, dass Thomas Manns Braunbär zum Greifen nah in München steht, dass Michael Jackson für immer an der Isar bleibt und dass es in Mün­chen neben Hellabrunn einen zweiten Zoo gibt? Haben Sie schon einmal in Fröttmaning Halluzinationen gehabt, in einer Theaterkantine einen tollen Abend verlebt oder köstlich zwischen Fresken gespeist? Dieses Buch führt selbst Münchner an Orte, die sie stau­nen lassen, und erzählt Ge­schich­ten, die noch niemand gehört hat. Und das gleich 111 Mal.