WISSENSWERTES

STAND: APRIL 2022


SCHAUFENSTER


Bitte sprechen Sie nicht von „Window-Shopping“, wir haben in der deutschen Sprache solche Neo­anglizismen nicht nötig. Das wunderschöne Wort „Schaufensterbummel“ deckt den Begriff in allen seinen Bedeutungen völlig ab. „Bummeln“ ist ein Verb für ein nicht zielgerichtetes Gehen, Schlen­dern, Flanieren. „Shopping“, also Einkaufen, muss nicht zwangsläufig das Ziel eines Fla­neurs sein. Schaufenster interagieren mit dem Leben auf der Straße und den Menschen, die an ihnen vor­bei­ge­hen. Sie sind ein wesentlicher Grund, wes­halb Men­schen sich gerne in die Innenstädte begeben.

Freilich ist es der Zweck von dekorierten Auslagen, Passanten zum Kaufen zu verleiten, und ein Ein­kaufs­bum­mel kann Glücksgefühle wecken, kann Frust – pro­vi­so­risch – abbauen, besonders wenn der Einkauf ein Spon­tan­kauf ist. Modernes Marketing umgarnt uns auf vielfältige Weise, und so braucht man sich nicht zu wun­dern, dass Einkaufen für viele zum lustbetonten Erlebnis geworden ist.

Schließlich muss jemand aufpassen, dass nichts geklaut wird.

In jüngerer Zeit – und dies hat womöglich mit der Konkurrenz zum Online-Commerce zu tun – sind manche Schaufenster fast schon zu einem al­ter­na­tiven Kunstraum geworden. Vielleicht auch des­halb, weil viele Händ­ler erkannt haben, dass Pas­san­ten als Multiplikatoren wirken, weil sie ge­lun­ge­ne Schau­fens­ter­de­ko­ra­tionen über Blogs und so­zia­le Medien teilen.

Kaffee gefällig?

Umso wichtig wird die Inszenierung der Waren. Es reicht nicht mehr aus, Puppen in schöne Klei­der zu stecken. Ideenreichtum ist gefragt, und so­gar Kitsch kann – gezielt eingesetzt – eine kauf­för­dern­de Wirkung ausüben.

Geisterstunde

Interessant die Assoziation zwi­schen der al­ten Schreib­ma­schine For­tuna  (Glück) aus dem Jahr 1923 und der Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin Doris Day  (geb. 1922). Äl­te­re Jahr­gän­ge erin­nern sich gerne an die ro­man­ti­schen Komö­dien, mit de­nen sie in den 1950er und 1960er Jah­ren zu den popu­lärs­ten Holly­wood­stars zählte.

Nostalgie


Wenn ich manchmal durch die Münchner In­nen­stadt schlendere, verliere ich mich leicht in der Ästhetik man­cher Schaufenster. Wenn ich vor einer dekorierten Auslage stehen bleibe, deren mehr oder weniger fan­ta­sie­vol­le, von minimalistisch bis opu­lent gestaltete Dekoration ich bewundere, ist eine Ab­sicht, etwas einzu­kaufen, meistens bei mir ganz und gar nicht vorhanden. In einem kleinen Café Station machen, ist eher ein wichtiger Teil solch eines Bummels.

Bei Rischart am Marienplatz


Manchmal ist es nicht die Dekoration insgesamt, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern das Objekt, das verkauft werden soll!

Giorgio-Armani-Laden in der Maximilianstrasse


Was immer diese Objekt auch ist, ich konnte nicht anders als stehen bleiben und schauen: Kunst im Vorbeigehen – auch das ist München!

Sonne


Gelegentlich erkennt man vor lauter Überlagerung verschiedener Elemente und wegen „schreiender“ Mit­tel­punkte kaum, worum es eigent­lich geht.

Kiss me


Kräftige Farben erzeugen Aufmerksamkeit.

Antiquitätenladen beim Gärtnerplatz


Kaum ein Anglizismus ist bei den Sprachpuristen verhasster als der allgegenwärtige „Sale“. Aber das Wort will einfach nicht aus dem Deutschen ver­schwin­den. In der verengten Bedeutung „vo­rü­ber­ge­hende Ver­kaufs­ak­tion mit gesenkten Preisen“ hat es die Klassiker Ausverkauf, Winter- oder Sommerschlussverkauf  völlig ver­drängt. Nach dem Ende des klassischen re­gle­men­tier­ten Schluss­ver­kaufs brauch­te man offen­sicht­lich ein neues Wort. Denn ein „Sale“ kann jederzeit stattfinden, er muss nicht am Ende irgendeiner Jahreszeit stehen.

Die reinste Abstraktion


Ein Fall, in dem die Schaufensterdekoration auch mich zum Spontankauf verleitet hat. Es gab mir eine Kauf­idee für ein Geschenk, das lange fällig war!

Anglia Bookshop


Manchmal liegt die Schönheit nicht in der Auf­fäl­lig­keit, sondern in der Fantasie: Achten Sie auf den „weib­lichen“ und den „männlichen“ Kleider­bü­gelhaken.

Wäscherei am Bonner Platz


Mit Humor kann man auch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Optiker in der Schellingstraße


Der Wettbewerb ist auch in der Friseurbranche hart. Nicht immer reichen ausgefallene Namen wie „Love is in the Hair“, „Ali Barber Shop“, „Hin und Hair“ oder„Hairforce One“, um Kunden anzulocken. Eine schöne Ge­staltung des Schaufensters kann hilf­rei­cher sein.

Friseurladen in der Leopoldstraße


Antiquitätengeschäfte gibt es in Schwabing und der Maxvorstadt nicht wenige. Um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, muss das Schaufenster kunstvoll dekoriert werden.

Besteckbaum


BUCHTIPP:

 
Das Buch München mit anderen Augen sehen  sammelt 23 ganz besondere Touren, erzählt von Orten, die eine ganz besondere Bedeutung haben, vom früheren Hasenjagdrevier der Kurfürsten zu einer Gedenktafel für einen Widerstandskämpfer, zu einem Pilgerweg, der an Schloss Schleißheim vorbeigeht, zur über 800 Jahre alte Heilig-Kreuz-Kirche und vielem mehr
 
 


BUCHTIPP:

Wenn man sein Glück in Mün­chen sucht, muss man nicht lan­ge herumlaufen. Es ist zu fin­den in verwunsche­:nen Innen­hö­fen, urigen Kneipen und gemütlichen Kinos. Das Buch Glücksorte in München ist eine Einladung zum Besuch von kulturellen, politischen, künstlerischen und sportlichen Orten, die uns das gute Gefühl geben, richtig zu sein. In dieser Stadt sitzt das Glück wirklich an jeder Ecke. Manchmal muss man nur den Stuhl ein bisschen verrücken, das Herz öffnen und sich auf seine Sinne verlassen.