MÜNCHNER  SPAZIERGÄNGE

STAND: JULI 2022


EIN WINTERTAG IM ENGLISCHEN GARTEN


18. FEBRUAR 2018:  Es ist selten geworden, dass man den Englischen Garten unter einer Schnee­de­cke erleben kann. Ich darf mir die Ge­le­genheit nicht entgehen lassen. Je früher umso besser, denn bei Tem­pe­raturen um die Null Grad Celsius ist die wei­ße Pracht auch sehr schnell wieder weg.

Am Kleinhesseloher See

Nicht ganz so selten wie ein verschneiter Englischer Garten ist ein zugefrorener Klein­hes­se­loher See. Aber das beschränkt sich auch nur auf einige Wo­chen im Januar. Dann sind die Eisstockschießer und die Eis­ho­ckey­spieler auf der vereisten Fläche. Kinder machen Bah­nen zum Schlittenfahren und ver­an­stalten kleine Rutsch­par­tien. Am Wochenende wimmelt es nur so von Spaziergängern und Schlitt­schuhfahrern.

Am Kleinhesseloher See


BUCHTIPP:
Meine Lieblings-Wanderungen im Winter
Unterwegs in den verschneiten Ba­ye­rischen Hausbergen, im Murnauer Moos oder durch das Tro­cken­bachtal zur Mariandlalm kann Wandern wun­der­schön sein. Beispielsweise in der Part­nachklamm mit ihren Eis­skulp­tu­ren oder am Hirschberg am Tegernsee. Jede der leichten bis mittelschweren Wan­derungen hat eine gemütliche Einkehrmöglichkeit.

Den Biergarten am Kleinhesseloher See  brauche ich nicht zu beschreiben, kaum ein Münchner, der ihn nicht kennt. Selbst im Winter sind an sonnigen Tagen einige Tische besetzt. Kaffee und Kuchen gibt es allemal.

Der Biergarten am Kleinhesseloher See

Heute ist er freilich verwaist, er strahlt eine ruhige Schönheit aus. In der vom Oberst­jägermeisterbach  durch­strömten Südostseite – di­rekt am Biergar­ten – ist der See eisfrei. Rund um die Königsinsel  hat sich hin­ge­gen bereits eine dünne Eisschicht gebildet. Die schneebeladenen Äste wirken auf mich wie filigrane Kunst­wer­ke. Ich genieße das Winterbild sehr.

Stille Ecke am Kleinhesseloher See

Einen großen Teil seines Flairs verdankt der Eng­li­sche Garten seinen Bächen: Im Sü­den treten der Schwa­bin­ger Bach  und der Eisbach  in den Park ein. Sie vereinigen sich und fließen dann bald wieder ge­trennt wei­ter. Vom Eisbach  zweigt der längere Oberst­jä­ger­meis­terbach  ab, sodass ein Großteil des Englischen Gar­tens von drei etwa parallel ver­lau­fenden Bächen durchzogen wird.

Der Oberstjägermeisterbach

Während ich gemächlich in Richtung Süden gehe, empfinde ich mit jedem Schritt eine größere Ruhe. Ich fühle mich versetzt in eine Zauberwelt, die nicht in einem Park inmitten einer Großstadt liegt, son­dern weit weg in einer imaginären Landschaft, in der der Winter immer so aussieht wie in einem Kin­der­bilderbuch.

Spazieren im Zauberwald

Es macht mich melancholisch, dass es nur die Schönheit eines Au­gen­blicks ist. Eine längere Reihe von Frost- und Schneetagen gibt es in München schon seit Langem nicht mehr.

Filigrane Winterlandschaft

Der 25 Meter hohe Holzbau des Chinesischen Turms  gilt heute nicht nur als Wahrzeichen des Englischen Gar­tens, sondern auch – ne­ben dem neuen Rathaus und der Frauenkir­che – als eines der Wahrzeichen des his­to­rischen Münchens. Das Bau­werk steht an dieser Stelle seit 1792, dem Da­tum der Eröffnung des Englischen Gartens. Bei einem der Luftangriffe auf München im Zweiten Weltkrieg brannte er ab, wurde aber 1952 wieder aufgebaut. In der Vorweihnachtszeit ist der Bereich um den Turm die anheimelndste Ecke des Gartens wegen des Weihnachtsmarktes, der seinen dörflich-be­hag­lichen Charakter bewahren konnte. Den An­drang, wie es am Crhristtkindlmark am Ma­rien­platz  nor­mal ist, findet man hier nur selten.

Der Chinesische Turm

Gleich südlich vom Chinesischen Turm  liegt der Monopteros. Dieser runde Säulentempel im grie­chischen Stil wurde von Leo von Klenze  auf Ge­heiß von König Ludwig I.  in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Von oben hat man eine herr­liche Aussicht über den Englischen Garten. Im Zusammenhang mit München den­ken die meisten Menschen automatisch an den Monopteros im Englischen Garten. Aber es gibt noch einen zweiten, etwas ver­steckteren und ruhigeren im Nymphen­burger Park.

Der Monopteros

Der Hügel, auf dem der Monopteros steht, ist keine natürliche Erhöhung. Er wurde 1832 aus Bauschutt von abgebrochenen Teilen der Residenz errichtet.



Jedenfalls ist der Monopteros  an solch einem schönen Win­ter­tag ein Treffpunkt für Kind und Jung. Hier ist eine Ro­del­partie ein Muss. Der Hügel ist zwar offiziell nicht als Rodelpiste freigegeben – al­so ist die Ab­fahrt auf ei­ge­ne Ge­fahr –, aber da die Hänge nicht sonderlich lang sind, sind sie für Kinder sehr geeignet.

Joggen am Monopteros

Vor allem kleinere Kinder sammeln hier ihre ersten Wintersport-Erfahrungen und sausen jauchzend den Hang hinunter. An Wochenendtagen wie heute herrscht allerdings ein großer Andrang. Bereits kurz nach einem Schneefall sind Schlittenspuren zu sehen.

Monopteros: der Rodelhügel

Als die Zeit vergeht, sehe ich immer mehr Menschen um mich herum: beim Spazieren, Joggen, Schnee­mann bau­en, eine Schneeballschlacht machen. Auch die anderen Münchner wollen sich das so seltene Erlebnis „Schnee“ nicht entgehen lassen.


BUCHTIPPS:
Winterkartoffelknödel: Ein Provinzkrimi
Nachdem der Eberhofer Franz seinen Dienst bei der Münchner Polizei quit­tieren musste und in sein nie­der­ba­yerisches Heimatdorf Nie­der­kal­ten­kirchen strafversetzt wurde, schiebt er eine ruhige Kugel. Aber manchmal muss der Eberhofer Franz auch in ziemlich grausigen Todesfällen ermitteln.

Der Englische Garten
für Einheimische und Touristen glei­cher­ma­ßen geeignet: Der Englische Garten steht für München wie sonst nur noch das Ok­to­berfest. Der größte innerstädtische Park der Welt hat viel zu bieten: er­leb­nis­reiche Treff­punkte, Orte der Einkehr und spektakuläre Aus­sichtspunkte – und auch seine Ge­schich­te und weitere Hin­ter­grund­in­for­mationen findet man in diesem Buch.