AUSFLUGSZIELE

STAND: APRIL 2022


ABENSBERG


20. JUNI 2019


Die niederbayerische Stadt Abensberg ist ein kleines Schmuckstück in einer landschaftlich wunderbaren Umgebung. Mit dem Auto ist sie bei entsprechendem Verkehr in einer knappen Stunde erreichbar. Es lohnt sich also auch ein Tagesausflug, wenn auch ein mehrtägiger Besuch der Gegend zu empfehlen ist.

Es ist noch nicht lange her, da diente die Stadt fast ausschließlich als Ausgangspunkt einer Be­sich­tigung von Kloster Weltenburg und einer da­rauf angeschlossenen Schifffahrt durch die wildromantische Flusslandschaft des Do­nau­durch­bruchs. Seit etwa einem Jahrzehnt hat sich die Lage völlig geändert. Der Abensberg-Tou­ris­mus boomt! Die Ursache liegt bei zwei neuen Sehenswürdigkeiten: dem Kuchlbauer-Turm  und dem Kunst­haus Abensberg.



Der 34,19 Meter hohe Kuchlbauer-Turm auf dem Gelände der Brauerei Kuchlbauer  wurde ur­sprünglich vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser geplant, der im Jahr 2000 noch während der Planungsphase starb. Errichtet (mit vielen Änderungen gegenüber Hun­dert­wassers Entwurf) wurde der Bau vom Wiener Architekten Peter Pelikan, ein langjähriger Freund und Weggefährte Hundertwassers.

Ursprünglich sollte der Turm 70 Meter hoch werden. Nach jahrelangen gerichtlichen Aus­ei­nan­der­set­zungen mit dem Denkmalschutz (wegen der vermuteten Beeinträchtigung der Silhouette der Abensberger Altstadt) wurde am 23. April 2007 mit dem Bau begonnen. Am 8. August 2008 wurde die vergoldete Dachkugel auf den Turm gesetzt. Sie hat einen Durchmesser von zehn Metern und ist zwölf Tonnen schwer.


Die Idee, im beschaulichen Abensberg einen so auffälligen Turm zu errichten, stammt von Leonhard Salleck, dem Inhaber der Abensberger Brauerei zum Kuchlbauer, der mit diesem Turm, seinem Erlebniszentrum Kuchlbauer’s Bierwelt  ein Wahrzeichen verschaffen wollte. Zu Füßen des Turms befindet sich ein Biergarten. Ohne Zweifel kann man hier ein Bier in einem sehr ausgefallenen, interessanten Ambiente genießen. Eine vorherige Anmeldung ist unbedingt erforderlich, um Wartezeiten zu vermeiden!

Dr Kuchlbauer-Turm

Dieses wohl letzte Bauwerk des berühmten Künst­lers Friedensreich Hundertwasser kann man in Kom­bi­na­tion mit einer 90-minütigen Führung durch die Brauerei besichtigen. Sicherlich kein preiswertes Vergnügen, wenn man eigentlich nur den Turm besteigen und die Aussicht genießen möchte.


BUCHTIPP:
Hundertwasser Architektur: Für ein natur- und menschengerechtes Bauen
„Ein Haus muß eine lebendige, organische Einheit sein, die sich fortentwickelt und ständig wandelt“, lautete eines von Friedensreich Hundertwassers Anliegen für eine natur- und menschengerechtere Architektur.

2014 wurde das Areal an der Brauerei um das KunstHausAbensberg bereichert, das nach Plänen von Peter Pelikan  in der Zeit von 2011 bis 2014 erbaut wurde. Das Kunsthaus mit seinem schiefen Turm und seinen weichen und har­mo­nischen Formen ist dem Leben und Werk Frie­dens­reich Hundertwasser  gewidmet. Auf 280 Quadratmetern, die sich über 12 Ebenen er­stre­cken, wird dem Besucher mit zahlreichen Exponaten die Werke des genialen Künstlers näher gebracht.

Das KunstHaus

Peter Pelikan hat auch dieses Projekt im Stile Hun­dertwassers umgesetzt: Geschwungene Mauern mit Ke­ra­mikbändern und augenähnlichen Fenstern, bewaldete Balkone oder Erker - alles als „far­ben­fro­hes Zu­sam­men­spiel von Natur und Mensch“ gedacht, wie es Pelikan selbst bei der Eröf­fnung formulierte.

Das KunstHaus (Fassadedetail)

Das KunstHaus am Abend

Der gebürtige Abensberger Johannes Turmair (1477-534) war ein gelehrter und ein­fluss­reicher Humanist. Er benannte sich mit einer latinisierten Form seines Heimatortes Aventinus („der Abens­berger“). Am früheren Paradeplatz, dem Vorplatz im Norden der historischen Burg, steht das Aven­tinus-Denkmal, der vermutlich bedeutendste Abensberger aller Zeiten.

Aventinus-Denkmal

Johannes Aventinus gilt als Begründer der ba­ye­rischen Geschichtsschreibung und als ein Weg­be­rei­ter der klas­si­schen Philologie in Deutschland. Nach ihm wurden zahlreiche Straßen, Wege, Plätze und Schulen be­nannt, nicht nur in Abensberg, son­dern auch in Altötting, Lauter­hofen, Het­tens­hau­sen, München, Neu­traub­ling, Rosenheim, Triftern und Brunnthal.

Die Aventinus Grundschule

Abensberg liegt an der Abens, einem rechten Ne­benfluss der Donau etwa acht Kilometer vor der Mündung. Das Gebiet um Abensberg wird ge­kenn­zeich­net durch das enge Donautal bei Weltenburg, das Altmühltal im Norden und das bekannte Hopfen-Anbaugebiet Hallertau im Süden. Das Städtchen selbst besticht durch einen liebevoll sanierten Altstadtkern.

Das Silberkramerhaus

Treppengiebel des Silberkramerhauses

Der Stadtplatz ist das „Wohnzimmer“ der Abens­berger. Er nimmt die drei Hauptstraßenzüge auf, die von Regensburg, von Freising/München und von Kelheim in den 1143 zuerst genannten Ort führen, die sich im Schutz der Burg der Grafen von Abens­berg zum Markt entwickelte und um 1400 Stadtrechte erhielt.

Gasthof und ehemalige Brauerei Kuchlbauer

Der Platz ist von meist dreigeschossigen, im Kern oft dem 16./17. Jahrhundert entstammenden bürgerlichen Giebelhäusern umbaut, deren Fassaden zum Teil in Formen des Barocks und des Historismus des 19. Jahr­hunderts neu gestaltet worden sind. Im Süden steht das der spätgotische Giebelbau mit Renaissance-Wel­len­gie­bel und barockem Dachreiter des Rathauses; im Westen befindet sich das Geburtshaus von Aventinus, heute das Hofbräuhaus; an der Ostseite steht der Anfang des 20. Jahrhunderts in historisierenden Formen er­rich­te­te große Brauereigasthof, das Stammhaus der Brauerei Kuchlbauer.

Das Rathaus

In der Tat: Ich fühle mich wohl, als ich durch die Straßen und Gassen dieser Stadt wandle. Mit ein wenig Fantasie ist es ein Eintauchen in die Ver­gan­genheit, zumindest in die For­men der Ver­gan­genheit. Dank Denkmalschutz sind es For­men aus sieben Jahrhunderten: von den restlichen Teilen der Stadtmauer zu dem Kreuzgang des ehemaligen Karmeliterklosters, zu den Heiligenfiguren am Südportal Der Stadtpfarrkirche und den zahlreichen Giebelbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Wohnhaus und ehemalige Schmiede

Freilich müsste ich, um dieses Eintauchen in die Geschichte realer zu machen, auch die geparkten und die fahrenden Autos aus meinem Bewusstsein ausschalten. Am Stadtplatz zudem auch die Au­ßen­gastronomie mit ihren Stühlen, Tischen und Son­nen­schir­men. Aber gerade mit diesen wird der Stadt­platz zu einem ruhenden Pol, der zum Verweilen und zum Schauen einlädt.

Gasthof Jungbräu

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Barbara ist eine spätgotische Hallenkirche (Schiffe von an­nähernd gleicher Höhe), die im 15. Jahrhundert begonnen und zu Beginn des 16. Jahrhunderts voll­en­det wurde. Die Kirche gehört zu den ge­schütz­ten Baudenkmälern in Bayern.

Stadtpfarrkirche St. Barbara

Die Kirche ist der heiligen Barbara von Nikomedien  geweiht, die eine populäre christliche Heilige ist. Der Über­lieferung nach war sie eine christliche Jungfrau, Märtyrerin des 3. Jahr­hun­derts, die von ihrem Vater Dioscuros  enthauptet wurde, weil sie sich weigerte, ihren christ­li­chen Glauben und ihre jungfräuliche Hingabe an Gott aufzugeben.

Innenraum der Stadtpfarrkirche

Der Maderturm ist der einzige noch existierende Turm der ehemaligen Abensberger Wehr­anlage, die ur­sprüng­lich aus 32 Rund- und 8 Ecktürmen bestand. Der Sage nach ließ der Abensberger Graf Babo  eine ab­trün­nige Tochter im Turm einmauern. Die heutige Be­zeich­nung geht auf die damalige Be­zeich­nung „Marterturm“ zurück.

Der Maderturm

Abensberg ist auch bekannt für den Gillamoos, dem Fest der Hallertau. Es handelt sich um einen der ältesten Jahrmärkte in Bayern. Der Gil­la­moos­markt  mit der zugehörigen Ägidius-Wall­fahrt wurde erstmals im Jahr 1313 urkundlich er­wähnt. Das Fest findet jedes Jahr um den ersten Sonntag im September statt.

Ein weiteres Highlight der Stadt ist der Abensberger Weihnachtsmarkt, der jährlich zig­tau­sende Be­su­cher anlockt. Der Weihnachtsmarkt ist auf zwei Plätze verteilt, der eine im Bier­gar­ten am Kuchl­bau­er­turm, der zweite vor dem Kunsthaus. Das Be­son­dere an der Kuchl­bauers Turm­weihnacht ist wohl die Weihnachtsbeleuchtung, bestehend aus 250.000 LEDs.


BUCHTIPP:
Abensberg in den 60er und 70er Jahren
Abensberg in den 60er und 70er Jahren nimmt Sie mit auf einen Spaziergang zurück in die Vergangenheit der kleinen, mittelalterlichen Babonenstadt. Entdecken Sie Ansichten und Straßenzüge und wie sich diese im Laufe der Zeit verändert haben oder gar ganz aus dem Stadtbild verschwunden sind.